Beste Voraussetzungen für Bildung.
Wir bauen eine Berufsschule in Ghana.

Das Dorf Kpawumo bei Tamale in Ghana ist geprägt von einer hohen Jugendarbeitslosigkeit. Viele Kinder wissen nicht, was sie nach der Schule anfangen sollen. Wir wollen diesen jungen Menschen eine Perspektive bieten. Gemeinsam mit dem Verein Kpawumo Göttingen e.V. haben wir ein Konzept erarbeitet, um in den kommenden Monaten eine Berufsschule in Ghana zu bauen. Ziel ist es, bestmögliche Voraussetzungen für eine gute Ausbildung zu schaffen. In der Berufsschule werden die Jungen und Mädchen zu Schreiner/innen und Schneider/innen ausgebildet. Die Ausbildung erfolgt durch gelernte Handwerker/innen mit Unterstützung aus Deutschland.

Entdecken Sie den Projektfortschritt hier auf unserem "Bau-Blog". 
Ihre Kurt König Baumaschinen GmbH

"Mit Bildung legen wir den Grundstein für die erfolgreiche Gestaltung der Zukunft junger Menschen in Ghana."
Kurt König, Geschäftsführer

Das Projekt.
Warum machen wir das?

Wir möchten mit dieser Maßnahme gesellschaftliche Verantwortung übernehmen und unser Wissen und Kapital dort einsetzen, wo es gebraucht wird. Der Wohlstand unserer westlichen Gesellschaft ist auch auf dem Rücken der Schwellenländer entstanden. Dort wollen wir helfen. Berufsausbildungen gibt es in Ghana nur sehr wenige. Durch den Bau der Berufsschule verändern wir nachhaltig die Perspektiven junger Menschen in der Region Tamale. Mit dieser Bildungseinrichtung legen wir einen greifbaren Grundstein für Veränderung und Aufbruch. Die Schulabgänger werden langfristig Unterstützung für ihren Einstieg in das Berufsleben erhalten – beispielsweise durch subventionierte Kredite oder kostenfreie Werkzeuge. So schaffen wir beste Voraussetzungen für die Zukunft. All das geschieht aus tiefer Überzeugung.

Blog & Baufortschritt.
Entdecken Sie den Prozess und die einzelnen Bauabschnitte. Mitarbeiter & Management berichten von vor Ort.

Im November 2018 war Baubeginn. Wir skizzieren und dokumentieren den aktuellen Fortschritt mit Bildern und kurzen Texten. Im Laufe der Zeit werden Mitarbeiter der Kurt König Baumschinen GmbH in die Region reisen und beim Aufbau mithelfen. 

18.04.19
Einweihung der Berufsschule in Kpawumo

Der große Tag ist gekommen.

Am Dienstag, den 26.03.2019 erwartete unsere Reisegruppe ein weiteres Highlight dieser Reise: Die Einweihung des Kpawumo Educational Institutes „K.E.I.“, also „unserer“ Berufsschule. 

Der Beitrag von KK an dieser Schule war finanzieller Art, d.h. aus Deutschland kam das Geld. Die gesamte Planungs-, Bau- und Bauüberwachungsleistung wurde durch die Dorfgemeinschaft geleistet. Federführend seitens des Dorfes war Mr. Nash, der Sohn des Dorfchiefs. Hut ab vor der Leistung dieses Mannes!

Die Schule ist jetzt bauseits komplett fertig, es fehlen nur noch die Anschlüsse an die Kanalisation und die Ausstattung mit Arbeitsmitteln. Ersteres wird kurzfristig erledigt sein, letzteres ist abschließend kalkuliert, die Werkzeuge /für 10 Tischler*innen) und Maschinen (für 10 Schneider*innen) werden nun eingekauft. Als nächsten Step werden Lehrer für die Fachbereiche Holz und Textil eingestellt und dann kann es wahrscheinlich noch im April spätestens im Mai mit dem Unterreicht losgehen. Geplant ist, dass die Schule durch die eigene Produktion von Waren in die Lage kommt, sich größtenteils selbst zu tragen. 

Dieses Schulprojekt ist für das Dorf Kpawumo eine ganz große Nummer. Es versetzt die Dorfgemeinschaft in die Lage, maßgeblich an der Weiterbildung der lokalen Bevölkerung zu arbeiten und daraus soziale und wirtschaftliche Vorteile zu ziehen. 

Deswegen wurden schon seit Wochen Planungen zur Einweihung der Schule vorangetrieben:

Geplant war es,  die Feierlichkeiten am relativ frühen Dienstag zu beginnen, leider verzögerte sich der Beginn aufgrund eines tragischen Trauerfalles in der Dorfgemeinschaft um ca. 2 Stunden, so dass neben den Honoratioren aus Nah und Fern auch die Mittagshitze mit Temperaturen von jenseits der 40° Gast war.

Das Direktorium der Schule hatte aber vorgesorgt und Sonnenschutz installieren lassen, es gab ausreichend Schattenplätze. Ehrengäste waren der Dorfchief nebst Ältestenrat, der Stellvertreter des Regionalchiefs nebst seinen Begleitern, eine lokale Vertreterin des Erziehungsministeriums unser GF Kurt König, dem Leiter des Fördervereins Kpawumo e.V. Markus Kubitza, der uns so hilfreich unterstützte und viele andere mehr. Aufgelockert wurde das umfangreiche (Rede-)Programm –das jeweils auf Englisch und im lokalen Dialekt gehalten wurde- durch traditionelle Tanz- und Musikdarbietungen.

Wahnsinn was für eine Energie und Ausdauer in der unglaublichen Hitze die Darsteller an den Tag legten (und die Schülerinnen und Schüler auch!!!). Wir Europäer waren schon mit Schattensitzen klar überfordert und waren froh, uns nicht bewegen zu müssen.

Den Abschluss fand die Veranstaltung mit der feierlichen Eröffnungszeremonie, bei der Herr König mit den off. Vertretern die Schule einweihte. Als Abschluss der Veranstaltung waren wir eingeladen (gottseidank nur als Zuschauer) einem Fußballspiel zuzuschauen. Auch ein aufkommender Staubsturm unterbrach das Spiel nicht, wir Europäer hatten allerdings unser Tun, um nicht vollkommen zu versanden.

Und so ging am frühen Abend ein mit tollen Erlebnissen vollgepackter Tag zu Ende. Großer Dank an das Kollegium der Schule und an das Dorf Kpawumo: eine ganz tolle Veranstaltung, wir werden uns lange daran erinnern! Wer Lust hat die Arbeit des Fördervereins für das Dorf zu unterstützen, dem sei die Website des Göttinger Vereins empfohlen: www.kpawumo.com

Ein Bericht von Stefan Blohm

>> mehr

18.04.19
Einweihung der Berufsschule in Kpawumo

Der große Tag ist gekommen.

Am Dienstag, den 26.03.2019 erwartete unsere Reisegruppe ein weiteres Highlight dieser Reise: Die Einweihung des Kpawumo Educational Institutes „K.E.I.“, also „unserer“ Berufsschule. 

Der Beitrag von KK an dieser Schule war finanzieller Art, d.h. aus Deutschland kam das Geld. Die gesamte Planungs-, Bau- und Bauüberwachungsleistung wurde durch die Dorfgemeinschaft geleistet. Federführend seitens des Dorfes war Mr. Nash, der Sohn des Dorfchiefs. Hut ab vor der Leistung dieses Mannes!

Die Schule ist jetzt bauseits komplett fertig, es fehlen nur noch die Anschlüsse an die Kanalisation und die Ausstattung mit Arbeitsmitteln. Ersteres wird kurzfristig erledigt sein, letzteres ist abschließend kalkuliert, die Werkzeuge /für 10 Tischler*innen) und Maschinen (für 10 Schneider*innen) werden nun eingekauft. Als nächsten Step werden Lehrer für die Fachbereiche Holz und Textil eingestellt und dann kann es wahrscheinlich noch im April spätestens im Mai mit dem Unterreicht losgehen. Geplant ist, dass die Schule durch die eigene Produktion von Waren in die Lage kommt, sich größtenteils selbst zu tragen. 

Dieses Schulprojekt ist für das Dorf Kpawumo eine ganz große Nummer. Es versetzt die Dorfgemeinschaft in die Lage, maßgeblich an der Weiterbildung der lokalen Bevölkerung zu arbeiten und daraus soziale und wirtschaftliche Vorteile zu ziehen. 

Deswegen wurden schon seit Wochen Planungen zur Einweihung der Schule vorangetrieben:

Geplant war es,  die Feierlichkeiten am relativ frühen Dienstag zu beginnen, leider verzögerte sich der Beginn aufgrund eines tragischen Trauerfalles in der Dorfgemeinschaft um ca. 2 Stunden, so dass neben den Honoratioren aus Nah und Fern auch die Mittagshitze mit Temperaturen von jenseits der 40° Gast war.

Das Direktorium der Schule hatte aber vorgesorgt und Sonnenschutz installieren lassen, es gab ausreichend Schattenplätze. Ehrengäste waren der Dorfchief nebst Ältestenrat, der Stellvertreter des Regionalchiefs nebst seinen Begleitern, eine lokale Vertreterin des Erziehungsministeriums unser GF Kurt König, dem Leiter des Fördervereins Kpawumo e.V. Markus Kubitza, der uns so hilfreich unterstützte und viele andere mehr. Aufgelockert wurde das umfangreiche (Rede-)Programm –das jeweils auf Englisch und im lokalen Dialekt gehalten wurde- durch traditionelle Tanz- und Musikdarbietungen.

Wahnsinn was für eine Energie und Ausdauer in der unglaublichen Hitze die Darsteller an den Tag legten (und die Schülerinnen und Schüler auch!!!). Wir Europäer waren schon mit Schattensitzen klar überfordert und waren froh, uns nicht bewegen zu müssen.

Den Abschluss fand die Veranstaltung mit der feierlichen Eröffnungszeremonie, bei der Herr König mit den off. Vertretern die Schule einweihte. Als Abschluss der Veranstaltung waren wir eingeladen (gottseidank nur als Zuschauer) einem Fußballspiel zuzuschauen. Auch ein aufkommender Staubsturm unterbrach das Spiel nicht, wir Europäer hatten allerdings unser Tun, um nicht vollkommen zu versanden.

Und so ging am frühen Abend ein mit tollen Erlebnissen vollgepackter Tag zu Ende. Großer Dank an das Kollegium der Schule und an das Dorf Kpawumo: eine ganz tolle Veranstaltung, wir werden uns lange daran erinnern! Wer Lust hat die Arbeit des Fördervereins für das Dorf zu unterstützen, dem sei die Website des Göttinger Vereins empfohlen: www.kpawumo.com

Ein Bericht von Stefan Blohm

09.04.19
Bericht der Reisegruppe

"Picture, Picture!" Das der erste Kontakt mit den Kindern der Schule in Kpawumo spannend werden könnte, war allen klar. Aber mit dem, was wir am Montagvormittag erlebten, hatte wohl niemand gerechnet.

Doch zuerst einmal war da ja der Weg vom Hotel ins Dorf. Vorm Hotel erwartete uns Mohamed, der Fahrer unseres gemieteten Kleinbusses. Wer bereits den Bericht „Verkehr(t)“ in Tamale gelesen hat, wird verstehen, warum wir uns nicht einfach einen Leihwagen genommen hatten. In einem fremden Land, in dem eine funktionierende Hupe am Fahrzeug noch vor Sicherheitsgurt, ABS oder gar TÜV-Plakette vor allem anderen steht, fährt nur ein ausgebildeter Berufskraftfahrer oder ein Gefahrensucher selbst.

Auf die Frage von Kurt, ob Mohamed denn wisse, wo wir hin müssten, kam weniger eine Antwort als mehr ein gutturaler Laut aus dem Fahrer. Hätte Mohamed in deutscher Sprache geantwortet, wäre ein „Ja…nee…is‘ klar“ seiner Antwort wohl am nächsten gekommen.

So ging Kurt aber kein Risiko ein, rief kurzerhand Mr. Dahouda* auf seinem Handy an und gab das Telefon an Mohamed weiter. Am zaghaften Nicken und wiederholten „Yes, yes“ von Mohamed mussten wir davon ausgehen, dass er eine exakte Wegbeschreibung erhalten hatte. So ganz nebenbei, tags zuvor erklärte uns Markus, dass es vom Hotel zur Schule ca. 10 – 15 min. mit dem Moped dauerte.

Mohamed bog von der befestigten Sandpiste auf die asphaltierte Hauptstraße in Richtung Zentrum ab und gab Gas. Die Auslegung der empfohlenen Geschwindigkeit innerhalb geschlossener Ortschaften gleicht den Gepflogenheiten hier in Deutschland. Von fünfzig bis achtzig Stundenkilometern ist alles dabei. Da macht es auch nichts, dass nach jedem zurückgelegten Kilometer eine sogenannte „Speed ramp“ jeden Verkehrsteilnehmer zwingt, sein Fahrzeug fast bis auf Schrittgeschwindigkeit abzubremsen. Während unseres gesamten Aufenthalts „durfte“ ich bei fast allen Fahrten den Platz des Beifahrers einnehmen. Und so hatte ich dann auch bereits am zweiten Tag einen Muskelkater vom Mitbremsen in den Waden. Denn nicht nur die Geschwindigkeit legt der motorisierte Ghanaer sehr weitläufig aus. Mindestabstände zum Vordermann oder beim Überholen werden eher geschätzt. Bekommt der zu überholende nichts vom Fahrtwind ab, war der Abstand definitiv zu groß.

Zurück zur kurzen Fahrt in die Schule. Nach ungefähr einer halben Stunde war die Frage an Mohamed, ob wir denn noch auf dem richtigen Weg wären berechtigt. Seine entschiedene Antwort, wir würden halt von hinten Kpawumo anfahren, beruhigte niemanden im Bus. Leider ist die Netzabdeckung in Tamale auch nicht besser als bei uns und so blieben die Versuche, Mr. Dahouda oder Markus zu kontaktieren vorerst erfolglos. 

Merkwürdig war nur, dass das Telefon von Mohamed einige Male klingelte, er das Ganze allerdings – hoch konzentriert weiterhin den schnellsten Weg zur Schule im Auge behaltend – konsequent ignorierte. Nach einer weiteren Viertelstunde gelang eine weitere Verbindung zu Mr. Dahouda. Was die beiden genau besprachen konnten wir leider nicht verstehen. Allerdings wendete Mohamed anschließend den Wagen, hielt wild gestikulierend noch einen anderen Verkehrsteilnehmer an und fuhr dann zielstrebig in eine sehr enge Nebenstraße (bzw. Weg – wir befanden uns seit geraumer Zeit nur noch auf den typischen rostroten Sandpisten). Dieser Pfad wurde zunehmend enger und endete an einer Erhebung mit einem flachen Graben direkt dahinter. Aber der steppenerprobte Fahrer nimmt so ein Hindernis, indem er dieses schräg anfährt, das Bodenblech durch den roten Sand schleifen lässt und sicher auf einer weiteren Piste seinen Weg unbeirrt fortsetzt.

Kaum zu glauben, aber nach wenigen Hundert Metern sahen wir Markus mit einer weiteren Person am Wegrand stehen. Wir hatten die Schule erreicht.

Das Schulgebäude ist ein schlichter Lehmbau. Circa vierzig Meter lang und vielleicht fünf Meter breit. Dort untergebracht sind in Reihe sechs gleichgroße Klassenräume. Aufgeteilt von links nach rechts in erster und zweitem Schuljahr, daran angrenzend eine Kindergartengruppe und die Klasse drei bis sechs.

Markus stellte uns kurz Mr. Dahouda persönlich vor und nahm uns kurzerhand mit in die sechste Klasse. Dort gibt er allgemeinen Unterricht, wenn er sich in Tamale aufhält. Die zehn Schüler stehen geschlossen von ihren Plätzen auf und antworten auf unser „good morning“ im Chor. Wir wechseln ein paar Worte mit einzelnen Schülern und mir fällt auf, dass alle doch sehr ernst oder vielleicht auch etwas misstrauisch dreinblicken. Auch im nächsten und übernächsten Klassenraum ist die Situation ähnlich und ich frage Markus, ob es den Schülern nicht erlaubt wäre, zu lächeln. Die kurze Antwort: „Warte, bis wir in den nächsten Raum kommen!“.

Das ist der Raum, in dem die Kleinsten untergebracht sind und gerade ein fröhliches Lied singen, als wir teilweise zur Tür hinein kommen beziehungsweise Veikko durch die offene Fensteröffnung fotografiert. Kameras oder auch Telefone haben auf diese Kinder eine magische Ausstrahlung und ziehen die Kleinen an wie das Licht die Motten. Dabei strahlen die Augen wie Diamanten und das Lächeln geht über bei Ohren.

Während noch gesungen wird, kommen die ersten Knirpse immer näher. Und dann hören wir das, was uns wohl allen noch lange in Erinnerung bleiben wird:

„PICTURE! PICTURE!“

Selbst die Kleinsten posen  vor unseren Linsen, drängen sich immer wieder nach vorne und es entstehen regelrecht Tumulte. Anschließend wollen die meisten auch die Ergebnisse der gemachten Aufnahmen begutachten und amüsieren sich über jedes Bild.

Selbst mit dem wenigen, was diese Kinder haben, sind sie doch glücklich. Und während des gesamten Aufenthalts ist mir nur ein einziges Mal ein kleiner Junge aufgefallen, der herzzerreißend weinte. Und das nur, weil ihm ein anderer die Visitenkarte von Stefan weggenommen und in zwei Stücke zerrissen hatte. Als ihm einer der Lehrer die beiden Hälften zurückgab, saß der kleine mit seinen dicken Krokodiltränen dann neben mir auf einem Stuhl und hielt die beiden Teile wie einen Schatz in seinen kleinen Händen. Natürlich hätte ich ihm eine neue Karte von mir geben können, aber eine Karte eines professionellen Geldeintreibers ist eben nicht durch die eines einfach Niederlassungsleiters zu ersetzen.

Ein Bericht von Oliver Wende.

*Mr. Dahouda, Leiter von Grundschule und Kinderdorf

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09.04.19
Bericht der Reisegruppe

"Picture, Picture!" Das der erste Kontakt mit den Kindern der Schule in Kpawumo spannend werden könnte, war allen klar. Aber mit dem, was wir am Montagvormittag erlebten, hatte wohl niemand gerechnet.

Doch zuerst einmal war da ja der Weg vom Hotel ins Dorf. Vorm Hotel erwartete uns Mohamed, der Fahrer unseres gemieteten Kleinbusses. Wer bereits den Bericht „Verkehr(t)“ in Tamale gelesen hat, wird verstehen, warum wir uns nicht einfach einen Leihwagen genommen hatten. In einem fremden Land, in dem eine funktionierende Hupe am Fahrzeug noch vor Sicherheitsgurt, ABS oder gar TÜV-Plakette vor allem anderen steht, fährt nur ein ausgebildeter Berufskraftfahrer oder ein Gefahrensucher selbst.

Auf die Frage von Kurt, ob Mohamed denn wisse, wo wir hin müssten, kam weniger eine Antwort als mehr ein gutturaler Laut aus dem Fahrer. Hätte Mohamed in deutscher Sprache geantwortet, wäre ein „Ja…nee…is‘ klar“ seiner Antwort wohl am nächsten gekommen.

So ging Kurt aber kein Risiko ein, rief kurzerhand Mr. Dahouda* auf seinem Handy an und gab das Telefon an Mohamed weiter. Am zaghaften Nicken und wiederholten „Yes, yes“ von Mohamed mussten wir davon ausgehen, dass er eine exakte Wegbeschreibung erhalten hatte. So ganz nebenbei, tags zuvor erklärte uns Markus, dass es vom Hotel zur Schule ca. 10 – 15 min. mit dem Moped dauerte.

Mohamed bog von der befestigten Sandpiste auf die asphaltierte Hauptstraße in Richtung Zentrum ab und gab Gas. Die Auslegung der empfohlenen Geschwindigkeit innerhalb geschlossener Ortschaften gleicht den Gepflogenheiten hier in Deutschland. Von fünfzig bis achtzig Stundenkilometern ist alles dabei. Da macht es auch nichts, dass nach jedem zurückgelegten Kilometer eine sogenannte „Speed ramp“ jeden Verkehrsteilnehmer zwingt, sein Fahrzeug fast bis auf Schrittgeschwindigkeit abzubremsen. Während unseres gesamten Aufenthalts „durfte“ ich bei fast allen Fahrten den Platz des Beifahrers einnehmen. Und so hatte ich dann auch bereits am zweiten Tag einen Muskelkater vom Mitbremsen in den Waden. Denn nicht nur die Geschwindigkeit legt der motorisierte Ghanaer sehr weitläufig aus. Mindestabstände zum Vordermann oder beim Überholen werden eher geschätzt. Bekommt der zu überholende nichts vom Fahrtwind ab, war der Abstand definitiv zu groß.

Zurück zur kurzen Fahrt in die Schule. Nach ungefähr einer halben Stunde war die Frage an Mohamed, ob wir denn noch auf dem richtigen Weg wären berechtigt. Seine entschiedene Antwort, wir würden halt von hinten Kpawumo anfahren, beruhigte niemanden im Bus. Leider ist die Netzabdeckung in Tamale auch nicht besser als bei uns und so blieben die Versuche, Mr. Dahouda oder Markus zu kontaktieren vorerst erfolglos. 

Merkwürdig war nur, dass das Telefon von Mohamed einige Male klingelte, er das Ganze allerdings – hoch konzentriert weiterhin den schnellsten Weg zur Schule im Auge behaltend – konsequent ignorierte. Nach einer weiteren Viertelstunde gelang eine weitere Verbindung zu Mr. Dahouda. Was die beiden genau besprachen konnten wir leider nicht verstehen. Allerdings wendete Mohamed anschließend den Wagen, hielt wild gestikulierend noch einen anderen Verkehrsteilnehmer an und fuhr dann zielstrebig in eine sehr enge Nebenstraße (bzw. Weg – wir befanden uns seit geraumer Zeit nur noch auf den typischen rostroten Sandpisten). Dieser Pfad wurde zunehmend enger und endete an einer Erhebung mit einem flachen Graben direkt dahinter. Aber der steppenerprobte Fahrer nimmt so ein Hindernis, indem er dieses schräg anfährt, das Bodenblech durch den roten Sand schleifen lässt und sicher auf einer weiteren Piste seinen Weg unbeirrt fortsetzt.

Kaum zu glauben, aber nach wenigen Hundert Metern sahen wir Markus mit einer weiteren Person am Wegrand stehen. Wir hatten die Schule erreicht.

Das Schulgebäude ist ein schlichter Lehmbau. Circa vierzig Meter lang und vielleicht fünf Meter breit. Dort untergebracht sind in Reihe sechs gleichgroße Klassenräume. Aufgeteilt von links nach rechts in erster und zweitem Schuljahr, daran angrenzend eine Kindergartengruppe und die Klasse drei bis sechs.

Markus stellte uns kurz Mr. Dahouda persönlich vor und nahm uns kurzerhand mit in die sechste Klasse. Dort gibt er allgemeinen Unterricht, wenn er sich in Tamale aufhält. Die zehn Schüler stehen geschlossen von ihren Plätzen auf und antworten auf unser „good morning“ im Chor. Wir wechseln ein paar Worte mit einzelnen Schülern und mir fällt auf, dass alle doch sehr ernst oder vielleicht auch etwas misstrauisch dreinblicken. Auch im nächsten und übernächsten Klassenraum ist die Situation ähnlich und ich frage Markus, ob es den Schülern nicht erlaubt wäre, zu lächeln. Die kurze Antwort: „Warte, bis wir in den nächsten Raum kommen!“.

Das ist der Raum, in dem die Kleinsten untergebracht sind und gerade ein fröhliches Lied singen, als wir teilweise zur Tür hinein kommen beziehungsweise Veikko durch die offene Fensteröffnung fotografiert. Kameras oder auch Telefone haben auf diese Kinder eine magische Ausstrahlung und ziehen die Kleinen an wie das Licht die Motten. Dabei strahlen die Augen wie Diamanten und das Lächeln geht über bei Ohren.

Während noch gesungen wird, kommen die ersten Knirpse immer näher. Und dann hören wir das, was uns wohl allen noch lange in Erinnerung bleiben wird:

„PICTURE! PICTURE!“

Selbst die Kleinsten posen  vor unseren Linsen, drängen sich immer wieder nach vorne und es entstehen regelrecht Tumulte. Anschließend wollen die meisten auch die Ergebnisse der gemachten Aufnahmen begutachten und amüsieren sich über jedes Bild.

Selbst mit dem wenigen, was diese Kinder haben, sind sie doch glücklich. Und während des gesamten Aufenthalts ist mir nur ein einziges Mal ein kleiner Junge aufgefallen, der herzzerreißend weinte. Und das nur, weil ihm ein anderer die Visitenkarte von Stefan weggenommen und in zwei Stücke zerrissen hatte. Als ihm einer der Lehrer die beiden Hälften zurückgab, saß der kleine mit seinen dicken Krokodiltränen dann neben mir auf einem Stuhl und hielt die beiden Teile wie einen Schatz in seinen kleinen Händen. Natürlich hätte ich ihm eine neue Karte von mir geben können, aber eine Karte eines professionellen Geldeintreibers ist eben nicht durch die eines einfach Niederlassungsleiters zu ersetzen.

Ein Bericht von Oliver Wende.

*Mr. Dahouda, Leiter von Grundschule und Kinderdorf

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